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JULIAN (26)

JUNG, BRUTAL, GUT AUSSE-
HEND

Sei ein Faber im Wind, die Zweite: Seit seiner ersten EP „Abstinenz“ geht der Schweizer Songwriter in seiner Karriere durch Wände, als wären sie Türen. Er schreibt pointierte Texte, die gleichzeitig zum klügsten und polarisierendsten gehören, was es in deutscher Sprache zu hören gibt. Jetzt erschien mit „I fucking love my life“ sein zweites Album.

Seit Faber mit seinem Debütalbum „Sei ein Faber im Wind“ den Startschuss für eine schon jetzt beeindruckende Karriere legte, ist viel passiert: Drei ausverkaufte Tourneen, Headlinerslots auf geschmackssicheren Festivals, Faber wurde von Kritik und Fans gleichermaßen gefeiert. Die musikjournalistische Küchentischpsychologie sagt: Schwierige Ausgangssituation für ein zweites Album. Faber meistert sie mit Bravour: Entstanden ist das großartig wie programmatisch-zynisch betitelte „I fucking love my life“ mit der Band, mit der Faber nun schon seit Jahren die Bühne teilt. Und das hört man: Die Platte groovt, ist trickreich, flüssig und klingt wie aus einem Guss. So klingt blindes musikalisches Verständnis.

Viele Leute verstehen nicht sofort, was Faber da macht: Dass er sich in seinen Songs in Rollen hineinversetzt. Faber arbeitet eher wie ein beobachtender Schriftsteller, als das er den in Deutschland so beliebten authentisch-melacholischen Formatradio-Songwriter mit Dreitagebart gibt. Wegen dieser Rollenspiele ecken seine Songs an. Weil einige Leute nicht auseinander halten können oder wollen, was da nun authentisch ist und was nicht. Das Spiel mit der Provokation hat auch seine Schattenseiten: „Eigentlich bin ich dafür zu sensibel. Das nimmt mich alles total mit.“ sagt er. Die Figur Faber ist vielschichtig: Er ist ein kluger, sensibler Typ, der viel zu talentiert ist, um langweilige Kunst zu machen. Und der genau deswegen eine unbändige Lust in sich trägt, verstören zu wollen: “Es ist langweilig, wenn alle immer alles kriegen, was sie wollen.“ 

Natürlich ist Faber nicht immer politisch. Trotzdem sind es große Teile von „I fucking love my Life“: „In 3 Minuten rettest du auf keinen Fall die Welt. Aber diesen Anspruch darf man auch nicht haben.“ sagt er. „Ich bin ja auch kein Politiker.“ Aber Faber ist ein politischer Künstler. Auf „I fucking love my life“ entwickelt er sich weiter und gibt sich gleichzeitig naiver, tänzelt mit dem Zeitgeist und schlägt ihm dann wieder Schnippchen, immer wenn man glauben könnte, man wüsste jetzt endlich, was dieser Schweizer Gainsbourg des 21. Jahrhunderts eigentlich will.

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